Automatismus
Nicht bewußt kontrollierte Handlung.
1. Autonome körperliche Vorgänge wie Herzschlag und Atmung.
2. Ererbte oder angelernte Verhaltensweisen, die als Folge von Reifungsprozessen ungewollt ausgelöst werden.
3. "Psychischer Automatismus": Spontane, aber gewöhnlich geordnete und in sich folgerichtige Handlungen, die ohne bewußte Steuerung ablaufen. Die grundlegende Analyse des psychischen Automatismus unternahm der französische Psychiater Pierre Janet. Er unterschied zwischen totalem und partiellem Automatismus. Beim partiellen Automatismus wird ein Teil der Persönlichkeit vom Bewußten abgespaltet.

Automatisches Schreiben
Schreiben sinnvoller Texte, für die das Bewußtsein zumeist amnestisch ist und deren Produktion als fremdgesteuert erlebt wird. Durch Automatisches Schreiben sind ungezählte Werke verfaßt worden. Es spielt nicht nur im Okkultismus und Spiritismus eine bedeutende Rolle, sondern allgemein im kreativen Prozeß.

Automatisches Malen
Automatische Bildnerei. Manchmal handelt es sich um skizzenhafte Zusätze beim Automatischen Schreiben, oft um nicht bewußt gesteuerte bildnerische Produktionen, die bestimmten Strukturmustern zu folgen scheinen. Wenn die automatisch geschaffenen Werke einem ästetischen und künstlerischem Anspruch genügen, spricht man von Medialer Kunst.

Automatisches Sprechen
Aussprechen zumeist sinnvoller Inhalte, für die das Bewußtsein des Sprechenden meistens amnestisch ist und deren Produktion als fremdgesteuert erlebt wird. In medialen Sitzungen ist das Automatische Sprechen die vorwiegende Form der Aussage. Sie wird  in spiritistischer Manier als Kundgabe eines Geistwesens interpretiert

Automatismus
 
Nicht vom Willen kontrollierte Handlungen.
 
1.  spontan ablaufende Vorgänge wie Atmen oder Pulsschlag

2.  ererbte oder erlernte Verhaltensweisen, die ungewollt ausgelöst werden (Reflexe, Instinkthandlungen)

3.  in der Psychiatrie persönlichkeitsfremde krankhafte spontane  Handlungen.

 

Die Parapsychologie interessieren vor allem die Automatismen, die nicht als Leistung des sie tatsächlich produzierenden Menschen erscheinen, also seelische Vorgänge, die sich vom Ich abgespaltet haben und nach einer besonderen Ausdrucksweise streben.

Nach spiritistischer Auffassung ist der Urheber der Geist eines Verstorbenen, nach animistischer Ansicht aber - die auf den französischen Philosophen Hippolyte Taine (1828-1893) zurückgeht - sind abgespaltene psychische Prozesse der Persönlichkeit des Mediums oder, falls sich ein Ich artikuliert, sekundäre Persönlichkeiten verantwortlich.
Bei manchen Personen, die keineswegs krank im Sinne der Psychopathologie sein müssen, treten, ohne dass das Wachbewusstsein eingeschränkt scheint, bei leichterer oder stärkerer Einschränkung desselben oder auch bei seiner völligen Ausschaltung spontan oder provoziert motorische oder sensorische Erscheinungen auf, deren Auslösung und Steuerung nicht bei diesen Personen zu liegen scheint.
m motorischen Bereich sind es vor allem Automatisches Schreiben, Zeichnen und Malen, Sprechen in Trance, Transfiguration, bestimmte Begleiterscheinungen des Tischrückens und anderes, im sensorischen Bereich Sinneseindrücke ohne objektivierbare Auslösung (Gesichte in einem Spiegel oder einer Glaskugel, das Hören von Stimmen aus einer Muschel und ähnliches).
Diese Automatismen sind keine paranormalen Erscheinungen. Als verselbständigte Persönlichkeitskomplexe treten sie neben oder an die Stelle der Normalpersönlichkeit.
Automatisch sind die von ihnen gesteuerten Handlungsabläufe nur im Hinblick auf diese Normalpersönlichkeit, sie erscheinen durchaus als intelligent gesteuerte Handlungen.
Provoziert (z. B. in Hypnose) oder auch bei spontanem Auftreten können sie z. B. in der psychiatrischen Diagnostik wertvoll sein.
Parapsychologisch relevant werden psychische Automatismen, wenn in ihnen Informationen mitgeteilt werden, die dem Medium eigentlich unbekannt sein müssten.
Nach einem von Tischner eingeführten Bild wirkt der Automatismus als Steigrohr des Unbewussten, d. h., paranormal erhält das Unbewusste Kenntnis von einem vergangenen, gegenwärtigen oder zukünftigen Sachverhalt oder von Inhalten einer anderen Psyche.
Im Ablauf des psychischen Automatismus steigt diese Information auf und wird dem Automatisten selbst oder Beobachtern erfahrbar.
Zu unterscheiden sind Fälle, in denen sich das Bedeutungsbewusstsein erst später aufgrund zusätzlicher Informationen einstellt.
Myers unterschied ausserdem subliminale Automatismen, vom eigenen Unbewussten ausgelöste, von telergischen, die eine fremde Psyche zum Auslöser haben sollen.
Die motorischen nannte Myers auch aktive, die sensorischen passive Automatismen.
 
Für die motorischen schlug er folgende Klassifikation vor:

1.  starke Antriebe, zwanghaftes Zurücklegen grosser Strecken, unter Umständen in anderem Bewusstseinszustand (vom Normalbewusstsein nachträglich als Teletransport gedeutet?). Hierher gehören auch die Parapsychologie relevanten Beispiele von Menschen, die aus innerem Antrieb irgendwo hineilten und dort in letzter Minute ein Rettungswerk vollbringen konnten.

2.   einfache unbewusste Antriebe, wie sie z. B. beim Glasrücken von Bedeutung sind.

3.   musikalische Darbietungen (vokal oder instrumental). Von Fodor (1969) um schauspielerisches Agieren und (Trance-) Tanz ergänzt.

4.    automatisches Zeichnen und Malen

5.    automatisches Schreiben

6.    automatisches Sprechen

7.    psychokinetische Bewegungen.
 
Zu den sensorischen Automatismen rechnete Myers Hellsehen, Hellhören, kristallomantische Visionen, so dass die wesentlichen parapsychologischen Forschungsgegenstände für Myers als Automatismen begriffen werden.
 
Der französische Staatsanwalt, Arzt und Parapsychologe Joseph Maxwell differenzierte nach:

1.   einfachen muskulären Automatismen: Typtologie, Automatisches Buchstabieren

2.   graphische muskuläre Automatismen: Automatisches Schreiben, Zeichnen, Malen

3.   phonetische Automatismen: Automatisches Sprechen, Singen

4.   Mischautomatismen: Besessenheitsphänomene.
 
Auch das Unterlassen einer geplanten Handlung kann als Automatismus aufgefasst werden:
Wenn z. B. jemand eine Reise mit einem bestimmten Zug, Flugzeug oder Schiff antreten will und eine Art psychische Lähmung (Bann) hindert ihn daran.

Stellt sich nachträglich heraus, dass er auf diese Weise einem Unglück entging, so deutet man das Ganze als präkognitive Erfahrung, die nicht bis zum Bewusstsein aufstieg, aber dennoch als Automatismus wirksam wurde, indem sie den Betreffenden vor dem Unfall bewahrte.
 
http://www.sphinx-suche.de/lexpara/automati.htm