Babylonien (1792 bis 539 v.)
Ein im Altertum wegen seiner Fruchtbarkeit berühmte Tiefland am unteren Euphrat und Tigris, dem heutigen Irak. Das Gebiet war einer der Ausgangspunkte der alten Kultur vorderasiatischer Reiche.
 
Geschichte
Die ältesten Siedler des Landes waren die Sumerer. Um 3000 v. gründeten sie mehrere Stadtstaaten, die um 2350 von den um etwa 2600 eingewanderten Akkadern unter Sargon I. unterworfen und zu einem Reich vereinigt wurden.
Das Land kam später unter die Fremdherrschaft nördlicher Völker aus Gutium (etwa 2150-2050) und zerfiel in die Königreiche Isin, Larsa, Babylon, Mari, Uruk und Eschnunnak. Unter Hammurabi um 1700 errang Babylon die Vormachtstellung und wurde Hauptstadt des Landes, das, wieder geeint, eine Blüte erlebte.

Die Macht Babylons verfiel schon wenig später. Das Herrscherhaus Hammurabi wurde etwa 200 Jahre nach Hammurabis Tod bei einem Einfall der Hethiter gestürzt. Danach eroberten die Kassiten das ganze Land und beherschten es etwa 300 Jahre. Seit 1350 v. stieg der Einfluß Assurs. Tiglatpileser I. von Assyrien eroberte um 1100 Babylon, das in der späteren Zeit durch Kriege, Aufstände und Wechsel der Herrscherhäuser sehr stark verfiel. 729 vereinigte der Assyrerkönig Tiglatpileser III. Babylon mit seinem Reich.
Erst Nabopolassar (625-605) befreite Babylon von der assyririschen Herrschaft (neubabylonisches Reich). Sein Sohn Nebukadnezar II. (604-562) eroberte die westlichen Provinzen des Assyrerreiches, Syrien und Palästina, führte Babylonien zu neuer Blüte und machte Babylon zur Weltstadt. Aber bereits 539 wurde das babylonische Heer von den Persern unter Kyros vernichtet und Babylon erobert.
Damit verschwand Babylonien als selbständiges Reich aus der Geschichte.
 
Religion
Die Religion Babyloniens ist die der Sumerer; die eingewanderten Semiten übernahmen viele ihrer Götter. Jede Stadt hatte ihren eigenen Gott. Mit der Erhebung Babylons zur Hauptstadt (um 1700 v.) wurde der Stadtgott von Babylon, Marduk, zugleich auch oberster Reichsgott. Viele Naturgewalten wurden vergöttlicht. Die meistverehrten Gottheiten waren: Anu von Uruk, der Himmelsgott, Eas (Enki) von Eridu, der Gott der Wassertiefe und der Weisheit und Ellil von Nippur, der Gott des Festlandes. Die Zahl der akkadischen Götter war gering: An erster Stelle standen Schamasch, der Sonnengott und Ishtar, die Liebes- und Kriegsgöttin.
Eine zahlreiche, reichgestufte und mächtige Priesterschaft besorgte den Kult. Die babylonischen Mythen (Weltschöpfung, Sintflut) haben auf viele vorderasiatische Völker, auch auf die Juden, gewirkt.

(nach Brockhaus, Bd. 1, 1958, S.166f)