BLAU

Blau sind der Himmel und die See, diese Farbe umgibt somit die vom Menschen bewohnte Welt. Es ist die Farbe des geistigen und seelischen.
Blau ist der Umhang albischer Wesen sowie des Sehers. Odin, der Inhaber der Runenweisheit, trägt so einen blauen Mantel (Edda, Grimnirlied), ebenso die Seherin Völva.
Auch die Jungfrau Maria des Christentums hat einen blauen Mantel.
Die griechische Göttin Athene wird als blauäugig vorgestellt, der indische Krishna hat gar einen blauen Körper.
Die blaue Blume der Romantiker symbolisiert die Hoffnung, die immer ein auf das kommende gerichteter Blick ins Metaphysische ist.
Blau oder blaugrau ist die Farbe der von Wilhelm Reich entdeckten Orgon-Energie (Reich 1987, S.289).
In alchemistischem Zusammenhang ist die Farbe Blau dem Element Erde zugeordnet (im Traktat „Quadripartitium Hermetis”, n. Biedermann 1998, 143).
Rambaud ordnete dem Vokal o der Farbe Blau zu. Beim Aussprechen des Wortes formen sich die Lippen zum Kuß, dem Mund entströmt ein Hauch.
Blau ist auch die Farbe der Melancholie. Blau ist die Erde, wie sie Kosmonauten durch das Fenster ihrer Raumkapsel erblicken. Blau ist eine verblassende Farbe, ganz im Gegensatz zu der dieser Farbe zugeschriebenen Unendlichkeit und Sehnsucht.
Außerdem: Blaubart, Blau machen, blauer Montag, Blaumann, blaues Wunder, blau sein, blaue Stunde, Blaustrumpf, blauer Reiter, blaue Punkte im Gesicht des Sams, Kpt. Blaubär
Noch im 13. Jahrhundert gab es in der europäischen Ikonographie keine blauen Symbole.

© Heiner Dustmann