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Drei

Nachdem mit der Zwei die polare Welt möglich wird, weist die Drei auf erneute Verschmelzung beider Hälften, die als gemeinsames Kind das Dritte hervorbringen. Zwischen zwei Extremen gibt es den ausgewogenen, beide Seiten versöhnende Mittelweg.
Die harmonische Dreizahl findet sich in Vorstellungen der Welt wie des göttlichen.
Die Welt, in der Antike dreigeteilt in Europa, Asien und Afrika, besteht aus drei großen Bereichen, dem Himmel der lichten Götter, die Unterwelt des Dunklen und der Toten und die irdische Menschenwelt oder Himmel, Erde und Meer, die ihrerseits in jeweils drei Bereiche unterteilt sein können, woraus sich die Neunzahl ergibt.
Diese Teilung findet sich bereits im altägyptischen Weltbild, das in das Reich der Himmelsgöttin Nut, die Erdenwelt des Erdgottes Geb und die Unterwelt Duat geschieden ist. Im Norden lag die Menschenwelt Midgard zwischen dem himmlischen Asgard und dem Totenreich der Hel, verbunden durch den Weltenbaum Yggdrasill, dessen drei Wurzeln aus den Quellen Urdrbrunnr, Mimisbrunnr und Hvergelmir saugen.
Wie die dreigeteilte Welt dennoch eine einzige ist, gibt es auch Gruppen von drei Gottheiten, die Aspekte eines einzigen universellen Gottes sind. Die in Europa bekannteste göttliche Dreiheit ist die christliche Trinität aus Vater, Sohn und Heiligem Geist.
Älter ist die akkadische Dreiheit Anu, Ea und Ellil oder die griechische Dreiheit Zeus, Poseidon und Hades. In Eleusis wurde die Dreiheit aus Demeter, Kore und Iakchos verehrt. Bei den Römern galten Jupiter, Mars und Quirinus als eine Dreiheit und die Ägypter hatten, schon aufgrund der langen Geschichte, zahlreiche Dreiheiten (Osiris - Isis - Horus, Amun - Re - Ptah, Amun - Mut - Chons [Theben]).
Viele Götter und Helden der Mythen haben drei Söhne, etwa der biblische Noah den Sem, den Ham und den Japhet, der griechische Kronos den Zeus, den Poseidon und den Hades (Pluton), der nordische Börr den Odin, den Vili und den Ve, der Fornjotr den Hlerr, den Logi und den Kari, in der germanischen Heldensage der Amelunc den Diether, den Ermrich und den Dietmar, bei den Skythen der Targitaus den Leipoxais, den Arpoxais und den Kolaxais. (Grimm 1992 Bd. III, S. 398)
Tacitus nennt drei germanische Stämme Ingvaeones, Herminones und Istvaeones als Nachkommen der drei Söhne des Mannus (Germania, 2)
Gebären, behüten und zerstören, um neu zu gebären ist Motiv der Großen Göttin, deren Wirken sich auf Fruchtbarkeit, Wachstum und den Tod erstreckt. Letzterer ist dabei Voraussetzung der Wiedergeburt oder des Schaffens von Neuem. So sind weibliche Gottheiten nicht allein Muttergöttinnen, sondern ebenso Göttinnen des Krieges oder des Todes (z.B. Demeter, Hekate, Athene, Selene, Freyja, Kali). Ihre Zusammengehörigkeit zeigt sich beispielsweise in den drei Graien, die sich ein Auge und einen Zahn teilen.
In gewisser Weise kennt auch die christliche Marienverehrung die weibliche Dreiheit als Muttergottes, die Jesus gebiert, begleitet und endlich an seinem Grabe steht.
Das Schicksal wird als Gruppe dreier Frauen gesehen, bei den Griechen sind dies die Moiren, die den Lebensfaden spinnen, abspulen und schließlich abschneiden, die Römer kannten die Parzen, die Slawen die Zorya und die Germanen die drei Nornen Urd, Skuld und Verdandi.
Sie symbolisieren die Lebensalter Jugend, Entfaltung und Alter, wie es auch in den Mondphasen zum Ausdruck kommt. Nach dem Neumond wächst der Erdtrabant, entfaltet seine stärkste Kraft im Vollmond und schrumpft mit zunehmendem Alter, ehe er als Neumond dem Blick entzogen ist. Wenn er nach drei Nächten wiederkehrt, gibt dieses Hoffnung auf Wiedergeburt und Auferstehung.
Dreimal muß eine Prüfung bestanden oder eine Handlung vollzogen werden, aus drei Ingredienzien bestehen magische Tränke und dreimal hat der Märchenheld einen Wunsch frei.
Beispielsweise gelingt es drei Malaak (Engel) nicht, Lilith zur Rückkehr zu Adam zu bewegen. Jesus wurde in der Wüste dreimal vom Teufel versucht. Dreimal folterten die Asen die Gullveig, um an das Geheimnis ihres Reichtums zu kommen. Odin verführte die Riesin Gunnlöd, blieb drei Nächte bei ihr und erhielt drei Schlucke vom Skaldenmet.
Dreimal muß man linksherum, im Widdershins, um einen Feenhügel gehen, um ihn betreten zu können. Das gelingt im Märchen vielfach dem dritten und (vermeintlich) dümmsten dreier Geschwister. Den anderen beiden stehen meist hervorragende Gaben zur Verfügung, doch fehlt ihnen die Ganzheit des allgemein-menschlichen.
 

Mit freundlicher Genehmigung von: Andreas Zompro  http://www.das-schwarze-netz.de