Epilepsie
Epilepsien gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen des Zentralnervensystems (ZNS). Die Prävalenz (Zahl der Kranken pro 1000 Einwohner) beträgt weltweit rund 0,5 %, das heißt 5 von 1000 Menschen leiden an Epilepsie, geographische oder rassische Unterschiede spielen dabei eine zu vernachlässigende Rolle. 

Auf die Bundesrepublik Deutschland bezogen läßt sich also eine Zahl von mindestens 300 000 errechnen, MATTHES (1984) schätzt die Zahl unter Berücksichtigung derjenigen Personen, die keinen Arzt aufsuchen, auf über 350 000 Epilepsiekranke. Unter Berücksichtigung von Gelegenheitskrämpfen oder Einzelanfällen (Oligoepilepsien) erhöht sich die Zahl der manifest Anfallskranken auf etwa 5 % der Bevölkerung, und bei weiteren 5 % der Bevölkerung finden sich elektroenzephalographische Veränderungen, die auf eine erhöhte Anfallsdisposition schließen lassen, ohne daß diese jemals manifest wird (latente oder auch bioelektrische Epilepsien).

Begriffsbestimmung:
MATTHES (1984) unterscheidet zwischen epileptischem Anfall, akuter epileptischer Reaktion und Epilepsie. Dabei wird der epileptische Anfall als "eine von vielen pathologischen Reaktionsformen des menschlichen Nervensystems" (MATTHES 1984, S. 1), der sich "klinisch in paroxysmalen Phänomenen aus dem motorischen, sensiblen, vegetativen oder psychischen Bereich bzw. deren Kombination" äußert. Das jeweilige "Erscheinungsbild ist im wesentlichen abhängig von den in die epileptische Funktionsstörung einbezogenen Hirnarealen". 

Von akuter epileptischer Reaktion bzw. Gelegenheitskrämpfen wird nur dann gesprochen, wenn es sich um epileptische Anfälle "im Rahmen einer akuten zerebralen Affektion" handelt. Hierunter sind Alkoholentzugsanfälle sowie die im frühen Kindesalter auftretenden Fieberkrämpfe zu zählen. 

Weder "epileptische Anfälle" noch "akute epileptische Reaktionen" sind mit dem Begriff Epilepsie identisch. Der Begriff Epilepsie wird dann verwandt, wenn "sich epileptische zerebrale Funktionsstörungen durch "Gewöhnung" (kindling) soweit eingeschliffen haben, daß epileptische Anfälle auch ohne erkennbare Ursachen chronisch rezidivieren" (MATTHES 1984, S. 1). Aufgrund der verschiedenen Ätiologien wie auch der Vielzahl von klinischen Erscheinungsformen wird im allgemeinen der Begriff Epilepsien präferiert. 

Von einer epileptischen Serie wird dann gesprochen, wenn mehrere Anfälle aufeinanderfolgen, aber der Patient sich zwischen den Anfällen erholt oder das Bewußtsein wiedererlangt. Um einen Status epilepticus handelt es sich in dem Fall, wenn ein epileptischer Anfall über die Dauer von etwa 10 bis 20 Minuten bis in den Bereich von mehreren Stunden verlängert wird, oder aber die anfallsfreien Intervalle so sehr verkürzt sind, daß der Patient zwischen den Anfällen das Bewußtsein nicht wiedererlangt.
 
Etwa die Hälfte der Epilepsien wird vor dem zehnten Lebensjahr manifest, zwei Drittel vor dem zwanzigsten Lebensjahr. Treten im Kindesalter 0.09 % Neuerkrankungen auf, so sinkt die Zahl der Neuerkrankungen im mittleren Erwachsenenalter auf etwa 0.02 % und steigt nach dem sechzigsten Lebensjahr auf 0.06 % an. 

Bei geistig behinderten Menschen kommt Epilepsie wesentlich häufiger vor als in der Normalbevölkerung. So ergab eine in Dänemark an einer repräsentativen Stichprobe geistig Behinderter durchgeführte Untersuchung eine Rate von 18 %, in dieser Untersuchung zeigte sich auch ein deutlicher Zusammenhang zwischen Schweregrad der Intelligenzschädigung und Epilepsieprävalenz: schwerst geistig Behinderte (IQ < 20) leiden etwa vier- bis fünfmal häufiger an Epilepsie als leicht geistig Behinderte (IQ > 50)
 (MEINS 1989, S. 10).

Der Suizidanteil an der Gesamtmortalität von Epilepsiekranken beträgt etwa 8,2 % und ist
 
 © 1999 MZ-Verlag Harald Schicke

Epilepsie
[von griech. epilambanein "anfallen"]
Fallsucht, Sammelbegriff für anfallartige Gehirnkrankheiten.
In neuerer Zeit ist ein Zusammenhang zwischen Epilepsie und Psi-Fähigkeiten behauptet worden. William Roll und Mitarbeiter stellten bei Fokuspersonen in Fällen von Spuk Epilepsie und epileptoide veranlagungen fest. Eine spezielle Form der Epilepsie, die Temporallappen-Epilepsie (TLE, von engl. Temporal Lobe Epilepsy) wird mit dem Auftreten verschiedener Psi-Phänomene in Verbindung gebracht.