Talmud
 
 [hebr. "Lehre"]
Sammlung der Gesetze und religiösen Überlieferungen des nachbiblischen Judentums.
 
Der Talmud besteht aus der Mischna und ihrer Diskussion, der Gemara. Beide gemeinsam bilden den Talmud. Sie sind der Grundtext des Talmuds.

Die Mischna (Wiederholung, Lehre) entstand aus der rabbinischen Forderung, die mündliche   Lehre stärker zu beachten. Diese Lehre bestand aus Religionsgesetzen für alle Bereiche (Halachah) und aus ergänzendem Material, bestehend aus Geschichten, Gleichnissen und Begebenheiten ethischen Charakters (Agadah).
Rabbi Jehuda Ha-Nassi ordnete die mündliche Lehre und hielt sie schriftlich fest (ca 200 n.d.Z.), um die mündliche Lehre nicht zu verlieren. Die Sammlung der mündlichen Lehre wurde in sechs Ordnungen aufgeteilt: Seraim (Saaten), Moed (Festzeiten), Naschim (Ehe und Familienrecht), Nesikin (Beschädigungen; Zivil und Strafrecht), Kodaschim (Heilige Dinge - Tempel und Opferriten), Toharot (Reinheitsgebote).


Diese Ordnungen haben im wesentlichen folgenden Inhalt:

1. Seraim (Saatgut) enthält alle Gesetze, die mit der Landwirtschaft zusammenhängen, besonders Vorschriften über die Verzehntung, über verschiedene Abgaben, das Sabbatjahr, wann das Land brachliegen muß usw. Da verschiedene Segenssprüche besonders vor dem Essen von Früchten und anderen landwirtschaftlichen Produkten vorgeschrieben sind, beginnt die Ordnung Zeraim mit einem ausführlichen Traktat über das Gebet insgesamt und die verschiedenen liturgischen Vorschriften.
2. Moed (Festzeiten) enthält zuerst eine ausführliche Regelung der Sabbatruhe und der am Sabbat erlaubten Arbeiten, außerdem liturgische Vorschriften für Ostern, den Versöhnungstag, das Laubhüttenfest, Festtage und Halbfesttage, Neujahr und Fasttage. Dazwischen steht ein eigener Traktat über die Tempelabgaben, die den Gottesdienst im Tempel zu finanzieren hatten.

3. Naschim (Ehen- und Familienrecht) regelt die Rechtslage kinderloser Witwen, die Schwagerehe, sowie das gesamte Heirats- und Scheidungsrecht einschließlich der Vermögensfragen und des Erbrechts. Da die Geltung von Gelübden bei Frauen, die nicht voll über sich verfügen können, besondere Probleme aufwirft, wird die gesamte Problematik der Gelübde, auch solcher, die nur Männer ablegen können, hier behandelt.

4. Nesikin (Beschädigungen; Zivil- und Strafrecht ) umfaßt das Schadens- und Strafrecht, Bestimmungen über Gerichte, Strafen, Schwur und Zeugenschaft sowie Folgen irriger Rechtsentscheidungen. Doch auch die Bestimmungen über den Götzendienst und den Umgang mit Heiden sind hier eingereiht, sowie, was noch auffälliger ist, der einzige nichtgesetzliche Traktat der Mischna, Pirqe Abot ("Kapitel der Väter") genannt, der den Zusammenhang der rabbinischen Tradition von Mose bis zur Zeit der Mischna aufzeigen will.

5. Kodaschim (Heiliges) behandelt die Vorschriften bezüglich der verschiedenen Opfer bestimmter Tiere, die Ablieferung der Erstgeburten beim Vieh an die Priester, Ersatzleistungen für Gelübde, Mißbrauch geheiligten Guts; außerdem enthält diese Ordnung auch ein Traktat über Maße und Einrichtung des Tempels.
6. Taharot (Reinheitsgebote) umfaßt die komplexen Vorschriften, wodurch etwas rituell unrein wird, welche Unreinheit die Frau während ihrer Regel und nach der Geburt trifft, die Unreinheit durch Aussatz (im weiten Sinn: eine Vielzahl von Hautkrankheiten) und Geschlechtskrankheiten, ebenso die Bestimmungen über das zur Reinigung bestimmte Tauchbad.

Den Talmud gibt es in zwei Ausfertigungen. Zunächst entstand ein palästinensischer Talmud (425 n.d.Z.). Im 6. Jh. folgte ein babylonischer Talmud (im wesentlichen von Rav Aschi redigiert), welcher als erheblich umfangreicher gilt. Er umfaßt im Original etwa 6.000 Folio-Seiten. Dies liegt auch daran, dass Babylonien zur Zeit der Diaspora zum jüdischen Zentrum wurde und dies über Jahrhunderte neben anderen Zentrenbildungen bleiben sollte. Im Laufe der Geschichte wurden aber auch diese Texte kommentiert und besprochen.

http://www.uni-frankfurt.de/fb01/miller/Talmud.html

Talmud
(neuhebrä. „das Lernen”) Eine Zusammenfassung der Lehren, Vorschriften und Überlieferungen des nachbiblischen Judentums. Der Talmud wurde im 6. Jh. v. begonnen und im im 5. Jh. abgeschlossen. Er ist ein religionsgesetzliches Sammelwerk rabbinischen Judemtums.

Der Talmud besteht aus zwei Teilen, der Aufzeichnung der Religionsgesetze Mischna, eine Zusammenfassung der Gesetzesdiskussionen der Schule Akibas und Meirs und der Niederschrift rabbinischen Kommentaren über die Mischna, die Gemara („Vervollständigung”) genannt wird. Entstanden ist der Talmud vornehmlich zwischen dem 3. und 5. Jahrhundert in Palästina (Tiberias) und Babylonien.

Zu unterscheiden sind der jerusalemische (palästinensischen) und der umfangreichere babylonische Talmud, der allein verbindlich anerkannt wurde. Abgefaßt ist die Mischna in neuhebräischer Gelehrtensprache, die des jerusalemischen Talmud ist ein westarmäischer Dialekt, die babylonische Gemara gehört dem ostaramäischen Zweig an.

Die Mischna fällt in sechs Ordnungen (hebrä. sedarim):
Seraim „Saaten” (Grund und Boden, Ackerbau),
Moëd „Fest” (Sabbate, Fest- und Fasttage),
Naschim „Frauen” (Ehegesetze, Familienrecht),
Nesikim „Beschädigungen” (Zivil- und Strafrecht),
Kodaschin „Opfer” (Tempelkultus und Speisegesetze),
Taharot „Reinigkeiten” (Reinheitsgesetze).
 
Die sedarim werden in der Gemara in 60 Traktaten verarbeitet.

In der Darstellung wechselt der Halacha genannte gesetzliche Stoff mit erbaulichen Betrachtungen, Sittensprüchen, Gleichnissen und Erzählungen (Haggada).

Der Talmud wurde wichtige Grundlage rabbinischen Judentums, dagegen wird seine unbedingte Autorität vom Reformjudentum angefochten.
 

entnommen aus: PSI-Lexikon auf CD